Blaudruck - Textil Kunsthandwerk

Die Original Blaudruck Stoffe unterscheiden sich im wesentlichen von den industriell bedruckten Stoffen. Sie sind nämlich nicht, wie in einer Fabrik, maschinell und in Sekunden bedruckt und - oder - auch gleichzeitig - gefärbt. Diese zwei Schritte - Bedrucken und Färben erfolgen hier ausschließlich PER HAND. Eine bestimmte Menge an Stoff zu bedrucken und färben kostet in diesen Werkstätten unvergleichbar viel viel mehr Zeit, Kraft und Mühe, als in einer Textilfabrik. Es ist ein echtes Blaudruck - Textil Kunsthandwerk, denn der Blaudrucker hat oft einen Meisterbrief. Früher konnte man in manchen Werkstätten auch eine Lehre machen. 

Der Reservedruck

Der Blaudrucker bedruckt nicht blaue Stoffbahnen mit weißen Mustern, wie man denken könnte. Er bedruckt weiße Stoffbahnen mit sogenanntem grünlichen "Papp" und wäscht diesen nach dem Färben wieder aus. Der Begriff „Reserve“ bezieht sich darauf, dass das gewählte Muster bei der Färbung reserviert, d. h. ausgespart bleibt. Der sogenannte "Blaudruck" ist also sozusagen ein "Reservedruck". Diesen Ausdruck benutzte ich gerne immer, wenn ich diese Technik erklären will.

Die Vorbereitung

Jeder Blaudrucker braucht zuerst einen weißen oder hellbeigen Naturstoff - vorwiegend aus Baumwolle, oder mal auch aus Leinen. Oft hat er einen Lieferanten, der ihn mit Stoffen beliefert. Oft bringt der Kunde selber (so, wie manchmal meine Wenigkeit) den Stoff für seine Bestellung gleich mit. Bevor der Blaudrucker aber diesen Stoff bedrucken kann, muss er ihn zuerst perfekt glattbügeln. Aus diesem Grund steht irgendwo in seiner Blaudruck Werkstatt auch eine große Mangelmaschine. Den sorgfältig gebügelten Stoff breitet er dann auf seinem großen Arbeitstisch aus und streichelt ihn mit seinen Händen ganz glatt.

Danziger Mangel

Das Bedrucken des Stoffes mit Modeln

Jetzt kommt die Blaudruckform, das sogenannte Model (circa 25 x 25 cm groß) ins Spiel. Das Blaudruckmuster, oft alt, filigran und meistens aus Metall, (manchmal aber aus Holz, aber immer perfekt geschnitzt) ist auf einer dicken, relativ schweren Holzplatte befestigt. Dieses Model nimmt der Blaudrucker in die Hand und taucht die Metallseite des Models es in den oben erklärten, hellgrünen und breiigen Papp. Er druckt den Papp von dem Model auf den Stoff ab. Dann taucht er das Model wieder in den Papp und macht wieder einen Abdruck auf dem Stoff und so weiter.

Arimo druckt Blau 1

Arimo druckt Blau 2

Arimo druckt Blau 3

Arimo druckt Blau 4

Achtung, Passzeichen

Der Blaudrucker muss sehr sorgfältig arbeiten. Die Form (das Model) muss jedes Mal auf den Stoff ganz genau platziert werden. Die meisten Modeln haben Pass Zeichen, diese sind auch ganz wichtig. Niemand möchte auf dem fertigen Stoff die einzelnen Muster Abdrücke erkennen können. Das fertige Muster sollte, wie maschinell gedruckt, einheitlich aussehen. Hier geht es um eine echte Handarbeit, man muss sich vorstellen, wie lange wohl das Bedrucken per Hand von einem einzigen Stück Stoff dauert. Anschließend wird die fertig bedruckte weiße Stoffbahn mit dem aufgedruckten grünlichen Muster in der Werkstatt zum Trocknen aufgehängt.

Danziger Blaudruck fertig gedruckt

Danziger Bottich 1

Danziger Bottich 2

Danziger Bottich 3

Nun wird im Indigo gefärbt

Nach einer bestimmten Zeit fängt der Blaudrucker dann mit dem Färben an: Die Stoffbahn mit dem, nun getrockneten handbedruckten Muster wird nun in das bis 3 Meter Tiefe Indigo Bad getaucht, meistens mehrere Male. Der blau gefärbte Stoff sieht jetzt einfarbig aus. Das aufgedruckte Stoffmuster ist noch unsichtbar und wird erst nach dem letzten Indigo Bad in einer bestimmten Lauge zum Vorschein kommen. In dieser sehr verdünnten Salzsäure Lauge wird der grünliche "Papp" wieder ganz ausgewaschen. Voila`! Jetzt muss der Blaudrucker nur noch im sauberen Wasser alle unerwünschten Reste auswaschen, den fertigen Stoff wieder trocknen und ganz zum Schluss bügeln. FERTIG!